Liebe und Selbstliebe

Wir wurden nicht dazu erzogen, uns selbst und die ganze Welt zu lieben. Wenn wir als Kind etwas “richtig” oder “gut” gemacht haben, wurden wir gelobt. Wenn wir etwas “falsch” oder “schlecht” gemacht haben, wurden wir ermahnt oder bestraft. Im Erwachsenenalter hat sich dies nicht verändert. Unser Boss wurde zu unseren Eltern, Geld wurde zum Mittel des Lobs und Tadels.

Uns wurden Idealbilder einer Partnerschaft, eines Partners beigebracht, sodass wir Zahlen und Checklisten mehr als unserer Intuition Glauben schenken. Magazine suggerieren ein unrealistisches Schönheitsbild, dessen Streben dorthin viele Menschen in Verzweiflung treibt und Hass auf ihren eigenen Körper verursacht. Wir arbeiten so hart daran, alle möglichen Bedingungen für die Liebe zu erfüllen, dass wir nicht erkennen: wahre Liebe ist bedingungslos. Wir sind so verblendet davon, die Augen auf den Horizont zu richten um auch nur die kleinste Spur von Liebe zu entdecken, dass wir nicht sehen: die Liebe war bereits die ganze Zeit direkt vor unserer Nase. Wir suchen verzweifelt nach den Keimlingen der Liebe von außen, dass wir nie selbst auf die Idee kommen: die Liebe muss Wurzel in uns selbst schlagen. Und ohne Selbstliebe können wir niemand anderen aufrichtig und vollkommen lieben.

Doch was ist denn nun diese “Selbstliebe”? Die wahre Selbstliebe drückt sich darin aus, unseren Körper, Geist und Seele gut zu tun. Sie beginnt in dem wir vollwertige Nahrungsmitteln zu uns nehmen. Die auf friedliche und gewaltfreie Weise produzierten Lebensmittel sind nicht nur in der Lage, unseren Körper gesundzuerhalten, sondern auch zu heilen, und führen darüber hinaus unserem Geist warme, positive, einfühlsame Emotionen und Gedanken zu. Unsere Seele fühlt sich erst in einem gesunden Körper und friedlichem Geist zuhause, glücklich und geliebt.

Manch einer wird argumentieren, dass manche Menschen sich selbst viel zu sehr lieben und sich über anderen stellen. Nun, die wahre Natur des Menschen ist Mitgefühl und Herzensgüte. Jede Seele kommt als ein völlig weißes, ungeschriebenes Blatt auf diese Welt. Erst die Umstände unseres Lebens bringen uns dazu, uns die einen oder anderen Persönlichkeiten anzueignen. Die wahre Liebe besteht in Balance zwischen all den Aspekten, die einen Menschen ausmachen. Sowohl extremer Mangel als auch vermeintlicher Überschuss an Selbstvertrauen ist ein Indiz auf Mängel von Selbstliebe. Das Verhalten, das wir auf eine extreme Weise nach außen tragen, ist nie unser wahres Selbstbild, denn wir versuchen damit, etwas, das uns fehlt, zu verstecken. Ein Mensch, der sich selbst wahrhaftig liebt, misst sich nicht mit anderen, ist sich seiner Werte und die der anderen bewusst, und stellt sich weder unter noch über Anderen.

Den meisten von uns fällt es schwer, „Ich liebe mich“ zu denken, geschweige denn auszusprechen, oder gar daran zu glauben. Lieben beginnt mit Akzeptanz. Es hilft erstmal die Dinge so anzunehmen wie sie sind, denn ändern können wir sie nicht. Das heißt nicht, dass wir nicht unser Bestes geben sollen, sondern die Erwartungen daran, dass etwas sich unseretwegen ändert, müssen wir loslassen. Harte Arbeit führt eventuell zu Anerkennung, aber nicht Glück und Liebe.

Uns zu lieben bedeutet also unser ‘Selbst’ zu akzeptieren, mit all unseren menschlichen Unvollkommenheiten. Wenn wir erkennen, dass all das Streben nach mehr bedeutungslos und sinnlos ist, da Anerkennung nicht Liebe gleicht, verlieren all der Druck und Erwartungen von innen wie auch außen auf einmal an ihrer Wichtigkeit. Falls uns selbst zu lieben noch eine zu große Hürde ist, denn weder unser Geist noch unser Herz glaubt daran, können wir uns erstmal folgende Wahrheiten eingestehen:

  • dass Menschen subjektiv sind und immer eine Meinung haben, die von ihren eigenen Erfahrungen und Wahrnehmungen beeinflusst werden
  • dass wir niemandem etwas beweisen müssen, wir bereits gut genug sind und keine Anerkennung von außen brauchen, um uns in unserer Haut wohlzufühlen
  • dass wir in unserer Unvollkommenheit vollkommen sind
  • dass jeder von uns einzigartig ist im ganzen Universum und es daher unmöglich ist, sich mit jemandem sonst zu messen
  • dass wir bereits bedingungslos geliebt werden, ohne dass wir etwas dafür tun müssen

Wenn wir diese Fakten oft genug wiederholen und irgendwann daran glauben, ist die Selbstliebe nicht mehr weit.

Der größte falsche Glaubenssatz, den wir in unserer Gesellschaft gelernt haben, ist, dass wir die Liebe verdienen müssten als wäre sie eine Trophäe. Liebe wird nicht verdient, sie wird gegeben. Bedingungslose Selbstliebe wie auch Liebe für Andere kommen nur zu uns, wenn wir die Bedingungen daran loslassen, die wir an ihr haften. Wir müssen stehen bleiben, aufhören ihr nachzujagen, unsere Checkliste von Bedingungen wegschmeißen, damit die Liebe eine Chance hat, von selbst zu uns zu kommen.

By |2018-04-16T20:25:40+00:00April 16th, 2018|DEUTSCH|0 Comments

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